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Mondalter: 8 und 21. Tag

Über die Hälfte unseres Trabanten liegt jetzt im Sonnenlicht, seine östliche, rechte Hälfte zeigt daher kaum noch Details. Für einen Astronauten am rechten Mondrand stünde die Sonne im Zenit, daher sind die Schatten dort sehr kurz. Am Termina- tor erwarten uns dagegen wieder einige interessante Ziele. Hoch im Norden, an der Grenze zwischen dem Meer der Kälte und dem Regenmeer, finden Sie einen auffälligen, kreisrunden Krater mit dunklem Grund: Plato. Sein einhundert Kilometer durchmessender, von dunkler Lava überfluteter Boden hebt sich gut von den Ausläufern des Alpengebirges ab. Seine Wälle sind meist eintausend Meter hoch, einige Gipfel erreichen aber auch zweitausend Meter und werfen bei Sonnenaufgang lange Schatten. Südlich von Plato liegen einige Berggipfel, die 1500 bis 2500 Meter hoch ragen. Sie sind wahrscheinlich die Reste eines von Lava überfluteten Kraterwalls.

Wenn Sie nun dem Verlauf der Alpen und anschließend dem der Apenninen folgen, stoßen Sie auf den 55 Kilometer großen Krater Eratosthenes. Er liegt in einer „Ecke“ der Apenninenausläufer, die er mit seinen viertausend Meter hohen Kraterwällen überragt. Der nächste große Krater in seiner Nähe ist Copernicus, der erst in den nächsten Stunden aus der Finsternis auftaucht. Zwischen Copernicus und Eratosthenes verläuft quer eine Reihe von sehr kleinen, nur ein bis drei Kilometer großen Kratern, die im Süden an den fast völlig unter Lava begrabenen Krater Stadius anschließt. Können Sie sie erkennen? Die einhundert Kilometer lange Kette entstand möglicherweise durch Gestein, das bei der Entstehung von Copernicus herausgeschleudert wurde und hier niederging.

Neben Ptolemaeus, Alphonsus und Arzachel, über denen gestern die Sonne aufging, taucht nun das „Wolkenmeer“ Mare Nubium aus der Finsternis auf. Schauen Sie sich einmal die Gegend südwestlich von Alphonsus genauer an. Dort finden Sie den kleinen Krater Birt, an den ein weiterer, winziger Krater im Osten anschließt. Nordöstlich dieses Kraterpaars liegt Rupes Recta, die Gerade Wand. Diese Verwerfung entstand wohl, als die Lava des Wolkenmeeres abkühlte, und wird gelegentlich auch als „Schwert des Mondes“ bezeichnet. Sie ist über 120 Kilometer lang und etwa eineinhalb Kilometer breit. Sie ist jedoch kein mächtiger Steilhang, sondern nur um 30 bis 45 Grad geneigt. Südlich von Alphonsus liegt am Rand des Wolkenmeeres noch das Kratertrio Thebit: Der Westrand von Thebit wird von einem kleineren Krater unterbrochen, an den im Westen wiederum ein weiterer, kleiner Krater anschließt – fast, als ob hier drei Krater wie bei einem Schaschlik-Spieß aufgereiht wären.

Viel weiter im Süden ist Tycho noch einen Besuch wert. Der 85 Kilometer große Krater ist ungewöhnlich hell – ein Zeichen seiner Jugend. Er entstand erst vor 109 Millionen Jahren beim Einschlag eines etwa zehn Kilometer großen Meteoriten. Sein Kraterwall erhebt sich 4800 Meter über den Boden, im Zentrum liegt ein 1500 Meter hoher Zentralberg. Noch eindrucksvoller ist das Strahlensystem, das von Tycho ausgeht. Dabei handelt es sich um helles Material, das bei dem Einschlag herausgeschleudert wurde. Vor allem bei Vollmond können Sie die bis zu tausend Kilometer langen Strahlen gut verfolgen.

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