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Der Erdmond

Autor: Mathias Scholz

Das Gedicht „Der Mond ist aufgegangen“ von MATTHIAS CLAUDIUS (1740-1815, Abendlied, 1778) hat viele namhafte und weniger namhafte Astronomen, Philologen, Literaturwissenschaftler und interessierte Laien zu einer Deutung des „astronomischen“ Inhalts dieses romantischen Gedichts hinreißen lassen. Genauer, die scheinbar widersprüchlichen ersten Zeilen der dritten Strophe wo es heißt „Seht ihr den Mond dort stehen – Er ist nur halb zu sehen – Und ist doch rund und schön“. Nun ja, wir wollen das Thema nicht weiter vertiefen und verweisen auf die zahlreiche Fachliteratur zu diesem literarischen Werk. Vom astronomischen Standpunkt aus ist der Mond wirklich ein nahezu runder Körper von 3476 km Durchmesser. Und daß er auch schön ist, kann jeder bestätigen, der seine beeindruckenden Kraterlandschaften einmal in einem guten Fernrohr gesehen hat. Oder der die schmale Mondsichel an einem lauen Frühlingstag - vielleicht neben der hellleuchtenden Venus - über einer Berglandschaft in Ruhe betrachten konnte – so wie es CASPAR DAVID FRIEDRICH (1774-1840) 1819 stimmungsvoll gemalt hat. Der Erdmond bewegt sich in einer mittleren Entfernung von 384403 Erdmond km in 27.32 Tagen einmal um die Erde (siderische Umlaufszeit). Relativ zur Sonne bleibt seine Bahn jedoch immer in Richtung Sonne gekrümmt. Deshalb – und wegen seiner für Monde ungewöhnlich großen Masse (1/83 der Erdmasse) in bezug auf den Mutterplaneten, spricht man besser von einem Doppelplaneten Erde-Mond.

Bereits mit freiem Auge sind auf seiner ca. ½° großen Scheibe helle und dunkle Gebiete auszumachen. Aber erst ein Blick durch ein Fernrohr zeigt seine wahren Oberflächenstrukturen – dunkle, von hohen Gebirgszügen umgebende Mare-Gebiete und von Einschlagkrater zerfurchte Hochländer (Terrae). Die Deutung dieser erst im Fernrohr sichtbaren morphologischen Merkmale war zu Beginn der Selenographie im 17. und 18. Jahrhundert noch weitgehend strittig. Das macht sich auch in der Bezeichnungsweise bestimmter Landschaftsformen bemerkbar wie z.B. Mare für „Meer“ (obwohl es auf dem Mond kein Wasser gibt), Sinus für „Meerbusen“, Lacus für „See“ oder Palus für „Sumpf“. Erst im Jahre 1780 äußerte der deutsche Gelehrte FRANZ ULRICH THEODOR AEPINUS (1724-1802) den Gedanken, daß es sich bei dem auf dem Mond häufigen Ringgebirgen um erloschene Vulkane handelt. Erst seit dieser Zeit wurde der Begriff „Mondkrater“ unter den Astronomen gebräuchlich.

Bis etwa zum Ende des 19. Jahrhunderts konzentrierten sich die professionellen Mondbeobachter auf die genaue Kartographie der sichtbaren Seite des Erdtrabanten und weniger auf die Frage, wie das, was sie durch ihr Fernrohr sahen, entstanden ist. Sehr viel Mühe und Fleiß wurde vielmehr in die Erstellung möglichst detailreicher Mondkarten investiert. Erwähnt seien in diesem Zusammenhang nur die bekannte „Topographie der sichtbaren Mondoberfläche“ des Dresdners WILHELM GOTTHELF LOHRMANN (1796-1840; „Lohrmann‘sche Mondkarte“, 1824) und die „Mappa Selenographica“ von WILHELM WOLFF BEER (1797-1850) und JOHANN HEINRICH MÄDLER (1794-1874) aus dem Jahre 1837. Die letzte große und auch detaillierteste Mondkarte, die anhand von Zeichnungen am Fernrohr angefertigt wurde, stammt übrigens von dem etwas exzentrischen deutschen Amateurastronomen PHILLIPP FAUTH (1867-1941) und hatte einen Durchmesser von immerhin 3.5 Meter.

Ein wichtiger Meilenstein in der Topographie und „Geologie“ der Mondoberfläche war u.a. die Erkenntnis, daß es sich bei der überwiegenden Zahl der Mondkrater nicht um Resultate vulkanischer Tätigkeit, sondern um Einschläge („Impakte“) von kleinen Himmelskörpern handelt. Diese Idee wurde 1873 zuerst von RICHARD ANTHONY PROCTOR (1837-1888) - einem damals durch seine populärwissenschaftlichen Schriften recht bekannten britischen Astronomen - vertreten und später als „Meteoritenhypothese“ weiterentwickelt. Die ungleichmäßige Verteilung der Mondkrater auf der sichtbaren Mondoberfläche ließ sich gemäß dieser Hypothese dadurch erklären, daß sie im Bereich der Mare Opfer von Lavaüberflutungen geworden sind die wiederum durch große Impakte initiiert wurden. Vollständig durchgesetzt hat sich die Impakttheorie der Mondkrater aber eigentlich erst im Vorfeld der Erkundung des Mondes durch Raumflugkörper Mitte des vorigen Jahrhunderts.

Die unbemannte und bemannte Raumfahrt hat beginnend mit Lunik 3 (1959, erste Aufnahme der Mondrückseite) über die Apollo-Missionen (1966-1972) bis hin zur geologischen Kartierung durch Clementine (19994) und Lunar Prospector (1998-1999) so viele neue und wichtige Erkenntnisse über den Erdmond geliefert, so daß man direkt von einem neuen Bild des Mondes sprechen kann. Darüber soll in den folgenden Seiten berichtet werden.

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